Es war an einem Samstag und ich kam aus dem kleinen Coop bei uns im Dorf, wo ich für mich eingekauft habe.
Beim Ausgang traf ich auf eine fröhliche Kinderschar mit ihren Müttern. Bunte Mützen, lautes Lachen und lebendige Energie kamen mir entgegen.
Was diese fröhliche Szenerie mit mir machte, erzähl ich dir gleich. Zuerst ein paar Worte zu meiner aktuellen Lebenssituation, denn sie ist wichtig, um das einzuordnen, was da in mir aufstieg.
Stimmig solo wohnen
Trotz langjähriger Partnerschaft und zwei mittlerweile erwachsener Kinder, wohne ich allein und das fühlt sich für mich in der meisten Zeit sehr stimmig an.
Glückliche Fernbeziehung
Ich lebe in einer langjährigen und glücklichen Fernbeziehung. Normalerweise sehen wir uns am Wochenende, machen aber schon mal partnerfreie Sams- und Sonntage.
Wir schätzen diese Form unserer Beziehung sehr und möchten sie nicht anders leben. Genauso ein Wochenende war es also: eines für mich allein.
Erwachsene Söhne
Wenn du mich etwas kennst, weisst du vielleicht auch, dass ich zwei Söhne habe. Diese sind kurz nacheinander von zu Hause ausgezogen. Ich war damals Anfang/Mitte 50.
Es brauchte ein paar Wochen, um mich an diese neue Situation zu gewöhnen. Zu diesem Übergang habe ich bereits einen Blogartikel geschrieben: Wenn Kinder ausziehen – Danke Jungs! – vielleicht kennst du ihn ja.
Seitdem führe ich wieder einen Einer-Haushalt. Heute kann ich sagen: Ich fühle mich wohl damit.
Und doch gibt es Momente, in denen mich die Wehmut ganz unvermittelt besucht.
Ein melancholischer Moment
Und genau das passierte eben in diesem Moment, als ich nach meinem Einkauf an diesen lachenden Kindern vorbeiging.
Versteh mich nicht falsch: ich freute mich für sie und ihr Lachen war ansteckend.
Dennoch streifte ein Hauch von Traurigkeit mein Herz und sofort stiegen Erinnerungen in mir hoch, als ich mit meinen damals noch kleinen Jungs an den Samstagen einkaufen ging.

Als meine Jungs noch klein waren
Wir kauften Zutaten für einen Sonntagszopf. Die Kinder verhandelten, wer als Erster den Teig beim Kneten auf den Küchentisch schmettern dürfe und wie laut er dabei auf die Holzplatte knallen würde. Ein Spass, den wir in dieser Zeit mehr und mehr begannen zu zelebrieren. Diese Technik half mir persönlich übrigens auch dabei, den Wochenstress abzubauen 😉
Ich sehe diese Bilder noch immer klar vor mir: gemütliche Spätnachmittage, Mehl an den Fingern, Vorfreude in leuchtenden Kinderaugen.
Eine farbenfrohe Erinnerung – getragen von Dankbarkeit und einem leisen Ziehen im Herzen.
Wenn das Nest leer wird
Für einen kurzen Moment fühlte ich mich allein.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch – es kommt leise, oft ganz unerwartet, und legt sich für einen Augenblick aufs Herz.
Genau so war es in diesem Moment. Und genau so erinnerte es mich an die Adventszeit in jenem Jahr, als meine Söhne auszogen und ich plötzlich zu den sogenannten Empty-Nesterinnen zählte.
Damals begann ich zu begreifen, dass dieser Abschied mehr war als ein neuer Alltag. Es war der Beginn einer Lebensphase, in der vieles neu betrachtet werden durfte – auch ich selbst.
Was man unter Empty-Nest versteht und was dazugehörende Begriffe bedeuten, erklär ich dir gerne im Folgenden:
Was bedeutet „Empty-Nest“?
Die Empty-Nest-Situation beschreibt die emotionale Situation, in der sich Mütter befinden können, wenn das letzte oder einzige Kind das Elternhaus verlässt. Diese Übergangsphase geht oft mit einem Wandel einher. Der Alltag darf entsprechend gestaltet und das Selbstbild neu betrachtet werden.
Selbstverständlich können auch Väter ähnliche Gefühle erleben – in diesem Beitrag liegt der Fokus jedoch bewusst auf Müttern, da sich mein Coaching-Angebot gezielt an Frauen 50+ richtet.
Wenn sich eine zentrale Lebensrolle verändert
Wenn Kinder ausziehen, ändert sich eine zentrale Lebensrolle. Gefühle wie Traurigkeit, Wehmut oder das Empfinden, nicht mehr gebraucht zu werden, können dabei auftreten und gehören zu diesem Veränderungsprozess dazu.
Eine besondere Lebensphase
Für viele Frauen stellt der Auszug der Kinder einen besonderen Einschnitt dar. Über Jahre hinweg prägten Familie, Fürsorge und Organisation den Alltag – und plötzlich kehrt eine ungewohnte Ruhe ein, die Raum für neue Fragen, aber auch für neue Möglichkeiten schafft.
Situation oder Syndrom?
Die einen sprechen vom Empty-Nest-Syndrom, die anderen von der Empty-Nest-Situation. Ich persönlich habe mich aus verschiedenen Gründen für den zweiten Begriff entschieden:
Der Begriff „Syndrom“ klingt für mich nach Krankheit oder Diagnose – und darum handelt es sich hierbei in den meisten Fällen nicht.
Natürlich gibt es Ausnahmen: etwa, wenn nach dem Auszug der Kinder eine tiefe Krise mit Einsamkeit, Sinnverlust oder Depression entsteht. In solchen Situationen ist professionelle Unterstützung sehr wichtig.
Für viele Eltern jedoch ist diese Phase herausfordernd und gleichzeitig eine Einladung zur Neugestaltung.
Das Leben Ihres Kindes wird voller neuer Erfahrungen sein. Es ist gut, wenn Ihr eigenes es auch ist.
Dr. Margaret Rutherford
Die Empty-Nesterin
Als Empty-Nesterin gilt eine Frau, deren Kinder ausgezogen sind und die sich nun in einer neuen Lebensphase wiederfindet.
Mögliche Herausforderungen
- Die Fürsorge für andere tritt in den Hintergrund – die Frage nach der eigenen Identität wird lauter
- Paare richten den Fokus wieder stärker auf ihre Beziehung
- Die berufliche Rolle kann sich verändern
- Fragen nach Sinn, Aufgabe und persönlichem Platz im Leben tauchen auf
Neue Chancen
- Mehr Raum für Selbstfürsorge entsteht
- Lang gehegte Wünsche und Träume dürfen wieder betrachtet werden
- Viele Frauen definieren sich neu – nicht nur als Mutter, sondern als Frau
- Eigene Bedürfnisse, Stärken und Visionen rücken wieder ins Bewusstsein
Mein persönlicher Umgang mit dem leeren Nest
Früher mit meinen Söhnen, heute für mich – ein Tanz um den Küchentisch hebt die Laune
Sabine Rentsch
Beziehungen pflegen
Schon immer waren mir Beziehungen wichtig – zu Partner, Freund:innen, Familie und im beruflichen Umfeld.
Ein Telefonat, ein Spaziergang oder ein ehrliches Gespräch helfen mir, meinen Blick wieder auf das Verbindende zu richten.
Und ganz besonders freut es mich, dass meine beiden Söhne und ich regelmässig in Kontakt stehen, und wir uns gegenseitig immer wieder in irgendeiner Form an unseren Leben teilhaben lassen – keep in touch!
Gefühle zulassen und ins Leben vertrauen
Ich lass die Wehmut zu, wenn sie kommt.
Das Leben hat Aufs und Abs und so sehe ich das auch mit meinem Empfinden: 365 Tage non-Stopp Glücksgefühle sind nicht realistisch und auch nicht notwendig.
Was ich aus Erfahrung weiss: Jeder Zustand geht vorbei. Das ist keine Floskel – das kann ich dir aus meiner eigenen Lebenserfahrung bestätigen.
Dankbarkeit und Lebensfreude
Seit vielen Jahren führe ich ein Dankbarkeitstagebuch. Darin notiere ich regelmässig ein bis drei Dinge, für die ich dankbar bin.
In schwierigeren Momenten schenkt mir dieses Ritual Halt und Perspektive.
Ich gestalte mir bewusst kleine Wohlfühlmomente im Alltag – so oft es möglich ist.
Ein stiller Abschluss
An diesem Samstag ging ich mit meinen Einkäufen nach Hause.
Ich kochte mir einen Tee, zündete ein Teelicht an und machte es mir mit meinem Dankbarkeitstagebuch auf dem Sofa gemütlich.
Und das Schönste daran?
Ich konnte mir Zeit lassen.
Denn niemand fragte: „Mum, was gibt es heute zum Nachtessen?“
Was hilft dir in dieser Übergangsphase? Wenn du magst, teile deine Gedanken und Erfahrungen mit mir – ich lese jede Nachricht sehr gern.
Und wenn du dir bei diesem Thema eine Begleitung wünschst, lass uns sprechen und buch dir ein kostenloses Kennenlerngespräch bei mir.


