Abstraktes, weich verwischtes Blumenbild in Blau- und Violetttönen auf hellem Hintergrund.

Darf ich mir in der heutigen Zeit Raum für mich nehmen?

Darf ich mich in unsicheren Zeiten überhaupt mit mir selbst beschäftigen? Dieser Beitrag lädt dich ein, dieser leisen Frage Raum zu geben und dir gerade jetzt wieder zuzuhören.
Inhalt

Die leise Frage nach dem eigenen Platz

Ich frag mich manchmal, darf ich mich in Zeiten von Unsicherheit und Umbruch, wirklich um mich selbst kümmern? Darf ich mich mit innerem Wachstum und mit meinem eigenen Weg beschäftigen, während sich im Aussen so vieles verändert, so viel unklar und zerbrechlich wird? Darf ich mich damit beschäftigen, was mich stärkt, erfüllt und lebendig fühlen lässt oder ist das egoistisch?

Kennst du diese Frage auch? Vielleicht taucht sie nicht laut auf, sondern eher leise zum Beispiel in einem Moment, in dem du spürst, dass du müde bist und in dem du dich nach Ruhe sehnst. Oder in einem, in dem du dir wieder mehr Zeit für dich wünschst. Zeit, in der du wieder mehr bei dir selbst ankommen kannst.

Und ehe du dir diese Frage beantworten kannst, kommt da eine mahnende Stimme aus dem Irgendwo die sagt, jetzt doch nicht. Nicht in dieser Zeit, nicht bei allem, was gerade so los ist, und auf keinen Fall, wenn andere dich brauchen und so viel zu tun ist.

Wenn du dich selbst zurückstellst

Viele sind sehr geübt darin, sich selbst zurückzustellen. Das geschieht nicht unbedingt daraus, weil sie sich selbst nicht wichtig nehmen. Es geschieht eher daher, weil Pflichtbewusstsein, Verantwortung und die Bedürfnisse anderer oft lauter sind als die eigenen. Da ist die Familie, der Beruf, die Partnerschaft, die Eltern und weitere Verpflichtungen. Da ist all das, was erledigt werden muss und was von einem erwartet wird oder wir zumindest glauben, dass es von uns erwartet wird.

Ja und so verschiebt sich deine Verbindung zu dir selbst ganz unbemerkt und leise nach hinten, bis du vielleicht irgendwann merkst:

Ich bin da, ich mach’ und tu, ich bin verlässlich und halte zusammen aber hej, wo bin ich eigentlich ich selbst in all dem?

Wenn im Aussen vieles wankt

Wenn im Aussen vieles in Bewegung gerät und fragiler wird, wird auch unsere innere Stabilität herausgefordert. Wir reagieren auf Nachrichten, auf Veränderungen, auf Unsicherheiten und auf Erwartungen und funktionieren einfach, zuweilen hektisch weiter. Wir erledigen und organisieren, und reagieren auf äussere Impulse. Oder ziehen uns aus lauter Überwältigung zurück. Beides ist verständlich.

Gleichzeitig wird die Verbindung zu uns selbst und zu dem, was uns eigentlich stärkt, immer leiser. Der Zugang zu dem, was Sinn ergibt und was uns lebendig fühlen lässt, scheint immer schwerer erreichbar zu werden. Es wirkt plötzlich, wie etwas, das warten muss und auf später verschoben werden kann.

Doch aus eigener Erfahrung und je mehr ich mich damit beschäftige, bin ich davon überzeugt, dass die eigene Stabilität gerade in unsicheren Zeiten kein Luxus, sondern etwas Wesentliches ist. Sie ist wie eine ruhige Grundfarbe in einem Bild, die allem anderen Tiefe und Halt gibt.

Zugang zu sich selbst bedeutet nicht Rückzug

Mit «Zugang zu sich selbst üben» meine ich keinen Rückzug aus dem Leben und ich spreche auch nicht von Selbstoptimierung. Es geht nicht darum noch besser zu funktionieren, noch gelassener zu wirken oder noch produktiver zu werden. Und es geht bestimmt nicht darum, aus dir ein optimiertes Projekt zu machen. Es geht darum, dir selbst wieder etwas näher zu kommen – Schritt für Schritt in deinem Tempo. 

Denn gerade in unsicheren Zeiten, sind der Zugang zu uns selbst und innere Stabilität sehr wertvoll. Ich erlebe das persönlich auch immer wieder. Wenn ich näher bei mir bin, werde ich ruhiger, klarer und gleichzeitig weicher. Ich fühle meine eigenen Grenzen besser und kann meine eigene Haltung deutlicher wahrnehmen und auch zeigen. Ich reagiere aus meinem inneren heraus, weniger aus Überforderung. Das verändert nicht nur in mir etwas, sondern auch in der Art, wie ich anderen begegne. Und aus diesem inneren Raum können dann auch frische Impulse, neue Gedanken und kreative Lösungen entstehen.

Klarer werden, ohne härter zu werden

Wir sind definitiv nicht allein auf dieser Welt. Wir leben in Beziehungen, in Familien, in Partnerschaften, sind Teil eines Teams und von Gemeinschaften. Wir brauchen einander und für ein gelingendes Miteinander nehmen wir im besten Fall Rücksicht, finden Kompromisse und tragen Verantwortung. Und genau dafür braucht es auch die Verbindung zu uns selbst.

Denn wie soll ich gute Beziehungen gestalten, wenn ich mich selbst kaum spüre? 
Wie kann ich klar ja sagen, wenn ich mein eigenes Nein nicht wahrnehme?
Und wie soll ich respektvoll Grenzen setzen, wenn ich selbst nicht weiss, wo sie verlaufen?

Nahaufnahme von Coach Sabine Rentsch mit Sonnenbrille. Rechts steht: "Ein wertschätzender Umgang mit anderen beginnt dort, wo ich auch mir selbst mit Wertschätzung begegne." (Inhalt und Grafik: Sabine Rentsch)

Der eigene Einflussbereich in unsicheren Zeiten

Wir können das Aussen nur begrenzt beeinflussen, denn vieles entzieht sich unserer Kontrolle. Jedoch können wir immer wieder wahrnehmen, wo der Bereich liegt, in dem wir aktiv Einfluss nehmen können. Wir können Verantwortung für unser Handeln, unsere Haltung und für die Wahrung unserer Grenzen und für die Art, wie wir mit uns selbst und anderen umgehen übernehmen.

Und ich denke gerade in der heutigen Zeit ist es wieder besonders wichtig, bewusst im Leben zu stehen. Wacher, zugewandter und verbundener.

Die leise Frage mit 50+

In der Lebensphase um 50, wird diese Frage für viele Frauen noch einmal auf eine besondere Art spürbar.

Es liegt oft schon ein reiches Lebensbild vor uns. Vieles wurde gestaltet, getragen, begleitet und immer wieder neu ausbalanciert. Manche Farben sind kräftig geblieben und manche sind etwas verblasst. Kinder werden erwachsen oder gehen bereits ihren eigenen Weg. Der Körper meldet sich vielleicht deutlicher. Berufliche Rollen ändern ihre Konturen und Beziehungen wandeln sich. Eltern werden älter und die Betreuungsaufgaben nehmen zu und manches, das wie selbstverständlich zum Bild gehörte, beginnt sich zu verändern.

Und mitten in all dem Alltag taucht immer häufiger die Frage auf: Und ich?

Diese Frage ist kein Verrat

Viele Frauen schieben diese Frage wieder weg, weil sie sich ungewohnt anfühlt und weil sie vielleicht ein schlechtes Gewissen auslöst. Sie ist mit Unsicherheit verbunden oder fühlt sich an wie ein Verrat am bisherigen Leben.

Das ist sie nicht!

Die Frage «Und ich?» bedeutet nicht, dass bis hierhin alles falsch war und sie bedeutet auch nicht, dass jetzt alles auf den Kopf gestellt werden muss. Ich sehe darin vielmehr ein Zeichen, dass etwas in dir wieder Raum sucht und gesehen werden will.

Ein Teil von dir, der über die Jahre vielleicht leiser war. Zum Beispiel eine Sehnsucht, die über Jahre zurückgestellt war, weil anderes im Vordergrund stand.

Die Frage «Und ich?» ist auch kein Luxus. Sie kann ein Anfang sein, dich selbst wieder ernster zu nehmen, liebevoll und ehrlich.

Reflexionsfragen zu deinen Bedürfnissen

Es geht nicht darum, sofort eine Antwort zu finden. Erst geht es darum wieder hinzuhören und sich wieder zu spüren. Manchmal ist es hilfreich, innezuhalten und sich bewusst ein paar Fragen zu stellen:

Grafik mit Reflexionsfragen: Was tut mir gerade gut? Was zieht mir Energie ab? Was stärkt mich? Erlebe ich Sinnhaftigkeit, Freiheit, Sicherheit? Fühle ich mich wohl, gesehen, geliebt?
(Inhalt und Design: Sabine Rentsch)

Diese Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden. Es genügt, sie einfach mal auszusprechen und ihnen Raum zu geben. Du musst nicht immer sofort wissen, wohin es geht. Manchmal braucht der innere Kompass einen Moment, bis er uns wieder eine klare Richtung gibt.

Kleine Wege zurück zu dir

Es geht darum, zuerst wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Denn wenn wir dauerhaft nur von aussen gesteuert funktionieren, verlieren wir irgendwann die Verbindung zu unserem inneren Erleben und zu dem, was uns nährt, trägt und lebendig macht.

Nebst solchen Reflexionsfragen gibt es viele weitere Möglichkeiten, um diese Verbindung zu sich wieder zu stärken. Manchmal beginnt es ganz einfach:

  • Bei einem Spaziergang in der Natur, übrigens einer meiner persönlichen Favoriten 
  • Bei Musik und zum Beispiel einem Tanz um den Küchentisch
  • Beim Austausch zum Beispiel mit anderen Frauen, die diese Frage auch beschäftigt
  • Bei Kreativität wie Malen, Schreiben, Musik machen, Kochen…
  • Beim Ausruhen und Nichtstun auf dem Sofa, und wo du wieder spürst: ah, so fühlt sich Ruhe an
  • Beim Meditieren für dich selbst oder in Gruppen
  • Beim Anwenden von Atemtechniken, wobei ich da keine Expertin bin
  • Bei der Bewegung durch Sport, draussen oder drinnen, wie es für dich passt

Das sind nur einige Beispiele. Für mich persönlich sind der Austausch mit anderen, Bewegung in der Natur und kreative Ausdrucksformen wertvolle Orte geworden. Da fühle ich Lebendigkeit und bin nahe bei mir selbst.

Abstraktes Blumenbild mit kräftigen Rot-, Orange- und Gelbtönen auf dunklem, grünlichem Hintergrund.
(Bild: Sabine Rentsch)

Raum für das, was sich wandeln möchte

Einen Ort, an dem nichts geleistet werden muss. Manchmal braucht es genau das. Einen Raum zum Innehalten, zum Sortieren und zum Wahrnehmen. 

Mit meinem Angebot «Aufblühn 50+» begleite ich Frauen in Übergängen. Gemeinsam machen wir Halt und schauen auf das, was ist und auf das, was sich wandeln möchte.

Vielleicht wünschst du dir mehr Leichtigkeit, mehr Tiefe oder einfach einen neuen Farbton im Bild deines Lebens.

In diesem geschützten Raum darf alles da sein; Zweifel, Sehnsucht, Klarheit und Fragezeichen. Und langsam zeigt sich, was dein nächster Schritt sein könnte.

Vielleicht gerade jetzt

Darauf zu warten, dass im Aussen alles wieder sicher und stabil ist, könnte eine ganze Weile dauern. Vermutlich länger als uns lieb ist.

Gerade deshalb kann jetzt ein guter Moment sein, dich dir selbst wieder zuzuwenden. In deinem Tempo und so weit, wie es für dich stimmig ist.

Denn innere Stabilität entsteht dort, wo du dir erlaubst, dich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren.

Warum also nicht gerade jetzt? Mitten im Wandel und mitten im Leben.

Und vielleicht beginnt es ganz leise. Mit einem kleinen Schritt und mit der Erinnerung, dass du diesen Weg nicht alleine gehen musst.

Wer schreibt hier?
Hallo, ich bin Sabine, deine Wegbegleiterin auf Augenhöhe

Als Coach für Frauen 50+ unterstütze ich dich dabei, dein nächstes Kapitel bewusst zu gestalten. Lebendig, stimmig und erfüllt. Denn ich bin überzeugt, es ist nie zu spät aufzublühen.